Wer macht´s?

Dr. Jörg Weise

Botanischer Garten Marburg

Flächenmonitoring

Umsetzung von Pflegemaßnahmen und ihre wissenschaftliche Erfolgskontrolle

Arnica montana hat in Hessen noch mehrere hundert Vorkommen mit Verbreitungsschwerpunkten in den Hochlagen der Mittelgebirge. Hauptvorkommen befinden sich im Meißner, im Kaufunger Wald, im Hohen Westerwald, im Hohen Vogelsberg und in der Hohen Rhön.

Im Fokus von ArnikaHessen stehen die Vorkommen unter 500 m ü. NN, die Tieflagen-Bestände. Hier ist Arnika deutlich seltener anzutreffen und auch stark rückläufig.
2007 waren 63 Tieflagenvorkommen von Arnika in 12 hessischen Landkreisen bekannt 1,2. Die höchste Anzahl von Arnika-Nachweisen lag dabei im Lahn-Dill-Kreis, gefolgt von den Landkreisen Vogelsberg, Main-Kinzig, Fulda, Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder.
Im Rahmen von Erhebungen des Artenhilfskonzeptes für Arnica montana in den Jahren 2009 und 2012 im Auftrag von Hessen-Forst FENA konnten nur noch 42 dieser Vorkommen bestätigt werden.

Die Arnika-Populationen sind nach den Ergebnissen des Artenhilfskonzeptes 3 in unterschiedlich gutem Zustand. Nur sehr wenige der Vorkommen weisen noch einen sehr guten Zustand auf. Die meisten Populationen hingegen sind sehr klein, isoliert, in ihrer Vitalität geschwächt und dadurch hoch empfindlich gegenüber Beeinträchtigungen wie Unternutzung, Verbuschung und Verfilzung sowie Stickstoffeintrag.

Der 1. Schritt zum Schutz und Erhalt der hessischen Tieflagenpopulationen von Arnika besteht deshalb in der Stabilisierung der einzelnen Populationen.

Angesichts der sich veränderten landwirtschaftlichen Nutzung und der Stickstoff-Hintergrundbelastung sind wissenschaftliche Untersuchungen nötig, um herauszuarbeiten, wie die optimale wirtschaftliche Nutzung von Flächen mit Arnikabestand gestaltet sein sollte. ArnikaHessen testet daher in einem Nutzungsexperiment wie sich eine Mahd und Beweidung zu verschiedenen Zeitpunkten auf einen Arnikabestand auswirken und welche Tierrassen sich bei einer Beweidung besonders eignen. Essentiell scheint ein Nährstoffaustrag aus den Flächen zu sein, die sogenannte „Entzugspflege“.

Von 14 akut bedrohten Arnika-Flächen der Tieflagen soll das genetische Material durch Einlagerung der Samen in die Saatgutbank des Botanischen Gartens in Marburg gesichert werden und zudem sollen anhand des derzeitigen Wissenstandes ad hoc-Maßnahmen in den Beständen erfolgen. Hierzu zählen Flächenmanagement-Maßnahmen als auch die Anlage von ex situ-Erhaltungskulturen zur Durchführung populationsstützender Maßnahmen. Hierbei werden zunächst Samen aus akut gefährdeten Populationen gesammelt, um aus diesen im Botanischen Garten Marburg Pflanzen heranzuziehen, die dann zur Bestandsstärkung in den jeweiligen Ursprungsflächen ausgebracht werden. Sobald neue Erkenntnisse aus dem Nutzungsexperiment vorliegen, sollen diese die ad hoc-Maßnahmen ergänzen bzw. ersetzen.

Die Entwicklung einer repräsentativen Stichprobenauswahl von 24 Arnika-Tieflagenvorkommen wird mit Hilfe eines Monitorings wissenschaftlich begleitet. Flächen in einem sehr guten Erhaltungszustand, auf denen die aktuelle Bewirtschaftung beibehalten werden kann, dienen dabei als Referenzflächen.
Bei dem Flächenmonitoring werden vegetationskundliche Dauerbeobachtungsflächen auf den Auswahlflächen angelegt. Als weitere Referenzflächen dienen vier Arnika-Vorkommen aus Hochlagen (über 500 m ü. NN), so dass der Stichprobenumfang des Monitorings insgesamt 28 Vorkommen umfasst.

Die zusätzliche Erfassung von bodenkundlichen Parametern soll Aussagen über die Bedeutung des Nährstoffhaushaltes für die Arnika-Bestände ermöglichen.
Das Monitoring dient der Analyse der Veränderungen der Habitate und der Arnica montana-Bestände mit und ohne habitatverbessernde und populationsstützende Maßnahmen.
Bei den Monitoringflächen werden drei Maßnahmenkategorien unterschieden:

1) Offenbodenflächen schaffen (Biomasseentzug + Vertikultieren),
2) Offenbodenflächen schaffen (nur Biomasseentzug),
3) „0-Flächen“ ohne Maßnahmen (Kontrolle),
Über die Beobachtung von Referenzflächen ohne Maßnahmen wird die Effizienz der jeweils durchgeführten Maßnahmen beurteilt.

Durch die parallel stattfindenden populationsgenetischen Untersuchungen können Hinweise für die Ermittlung der Mindestpopulationsgröße von Arnica montana gewonnen werden, die die Art zum langfristigen Überleben benötigt.

Die Ergebnisse des Flächenmonitorings sollen Aufschluss darüber liefern, wie sich die Arnika-Populationen und ihre Begleitvegetation in Abhängigkeit von den unterschiedlichen Pflegemaßnahmen über den Projektzeitraum entwickeln.

Die Veränderungen der Populationen werden mit den früheren vegetationskundlichen Untersuchungen aus 2007 sowie dem Artenhilfskonzept (2009 – 2012) verglichen. Dadurch werden Erfolg und Effizienz der Pflegemaßnahmen bewertet.

ArnikaHessen vernetzt alle Akteurinnen und Akteure mit Bezug zu den bestehenden Arnika-Tieflagenvorkommen miteinander: Sowohl VertreterInnen des amtlichen Naturschutzes wie Hessen-Forst FENA und die oberen Naturschutzbehörden der Regierungspräsidien, die FFH-sowie NSG-Maßnahmenplanung und -Pflege, die Landwirtschaftsverwaltung und Flächenförderung HALM als auch die FlächennutzerInnen (EigentümerInnen, PächterInnen, BewirtschafterInnen) sind in stetigem Kontakt miteinander. Eine besonders hervorgehobene Rolle spielt der ehrenamtliche Naturschutz: Vom Arnikaschutz ausgehend soll der Gedanke der biologischen Vielfalt durch ehrenamtliche Gruppen in die Regionen getragen werden.

Die im Projekt entwickelten Nutzungsvorschläge bedeuten für die BewirtschafterInnen einen erheblichen zusätzlichen Aufwand, der nicht mit den üblichen HALM-Sätzen („Modul B6“) oder sonstigen Förderprogrammen („Alte Hutebäume“, „Lokale Projekte“ oder „Ökoprämie“) gefördert werden kann. Da keine ergänzende Förderung zulässig ist (Doppelförderung), werden dem Aufwand entsprechende Vergütungen über einen kalkulierbaren Zeitraum zur Verfügung gestellt, wobei sich die Höhe der Vergütung nach Größe der Fläche und den speziellen Maßnahmen richtet.

 

1 Hessen-Forst, Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA), Gießen.
2 LANDSCHAFT UND VEGETATION (2007): Die gesamthessischen Situation der Arnika (Arnica montana L.) - Art des Anhangs V der FFH-Richtlinie. Im Auftrag des Landes Hessen, Marburg.
3 Meier & Weise (2009, 2012):
Landesweites Artenhilfskonzept für Berg-Wohlverleih (Arnica montana L.) in hessischen Tieflagen (2009)
Ergänzende Maßnahmenflächenbearbeitung zum Artenhilfskonzept für Berg-Wohlverleih (Arnica montana) in hessischen Tieflagen (2012).
Beide im Auftrag des Landes Hessen, vertreten durch Landesbetrieb Hessen-Forst Forsteinrichtung und Naturschutz FENA - Sachgebiet Naturschutz.