Arnika ist…

… eine Verantwortungsart

Wussten Sie, dass Deutschland eine besondere Verantwortung für Arnika trägt?

Die Echte Arnika (Arnica montana) ist die einzige von weltweit 32 Arnika-Arten, die in Europa heimisch ist. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Norditalien bis Südskandinavien und von Spanien bis in das Baltikum. In Deutschland liegt ihr Verbreitungsschwerpunkt und durch die zentrale Lage sind diese Vorkommen besonders wichtig für den Austausch zwischen den Teilpopulationen. Daher kommt Deutschland international eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Echten Arnika zu. Auf europäischer Ebene schützt die Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-RL) die europaweit bisher ungefährdeten Bestände der Arnika durch die Regelung ihrer wirtschaftlichen Nutzung als Arzneipflanze (Anhang V). In Deutschland steht Arnica montana nach Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz. Dennoch geht sie in Deutschland stark zurück und gilt bereits als gefährdet - in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sogar als vom Aussterben bedroht.

Durch das Konzept der Verantwortungsarten sollen nicht nur Arten geschützt werden, sondern gleichzeitig ihre Lebensräume bewahrt werden. Dadurch wird wiederum langfristig die Überlebensfähigkeit der Arten gefördert.

… ein kleiner Teil der großen Vielfalt

Die Lebensräume in denen Arnika zu finden ist, sind in unserer heutigen Landschaft sehr selten geworden. Arnika kommt nur auf nährstoff- und kalkarmen Böden vor. Extensiv genutztes Grünland wie Magerwiesen und Magerweiden sowie Borstgrasrasen sind ihre Heimat. Aber auch in den Heiden der Mittelgebirge oder in lichten Wäldern ist sie zu finden. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Lebensräume von Arnika auf Grund von Nutzungsänderungen, wie Aufgabe der Beweidung oder fehlende Mahd, stark verändert. Auch Nährstoffeinträge durch landwirtschaftliche Düngung und Niederschläge spielen eine Rolle. Der drastische Rückgang der Arnikabestände steht nur stellvertretend für den Rückgang ganzer Artgemeinschaften. Besonders starke Einbrüche sind in den Tieflagen zu verzeichnen, während in den Hochlagen Arnika weniger gefährdet ist. In den Alpen wachsen die Pflanzen bis in Höhenlagen über 2500 m ü. NN.

Goldene Scheckenfalter auf Blütenbesuch bei Arnika - zwei Arten in der Verantwortung Deutschlands

… auch in Hessen zu Hause

Früher war Arnika in Hessen weit verbreitet und relativ häufig. Aufzeichnungen bezeugen, dass noch während des zweiten Weltkrieges große Sammlungen durch Schulklassen an Fabriken zur Salben- und Tinkturherstellung geliefert wurden. Heute liegen die meisten Arnika-Vorkommen in Schutzgebieten, vor allem in der Rhön, im Westerwald und im Vogelsberg. Der Westerwald beherbergt insgesamt etwa 20 - 25 % der hessischen Arnika-Populationen. Bekannt sind noch etwa 40 Tieflagenvorkommen in Hessen, einige davon bestehen jedoch nur noch aus wenigen Pflanzen. Das größte Tieflagenvorkommen Hessens liegt in Fleisbach bei Herborn. Im Sommer bilden dort tausende Arnika-Pflanzen ein gelbes Blütenmeer.


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Arnikablütenmeer bei Fleisbach

 

… eine Heilpflanze

Wussten Sie, dass schon Johann Wolfgang von Goethe die heilsame Wirkung der Arnika zu schätzen wusste?

Eine Medizin aus Arnika wurde ihm – so ist es überliefert – sogar noch kurz vor dem Tode gereicht. Ihr hohes Ansehen als Heilpflanze erlangte sie im späten Mittelalter und besonders im 17. und 18. Jahrhundert. Die Fülle an umgangssprachlichen Namen spiegelt Bedeutung und Nutzung in verschiedenen Regionen wieder: Bergwohlverleih, Bergdotterblume, Fallkraut, Johannisblume, Kraftrose, Kraftwurz, St. Luzianskraut, Stichwurzel, Schnupftabaksblume, Tabakblume, Verfangkraut und Wundkraut sind nur einige Synonyme für Arnika. In der Volksmedizin wurde die Wurzel zum Beispiel als Anregungsmittel für Herz- und Kreislauf und bei Erschöpfungszuständen verwendet, in einigen Regionen aber auch zu Schnupf- oder Rauchtabak zerrieben.
Heutzutage wird Arnika sowohl in der Schulmedizin als auch in der Naturheilkunde verwendet. Meist finden die getrockneten Blütenstände oder Blütenköpfchen als Tinktur oder Salbe äußerlich bei Blutergüssen, Prellungen, rheumatischen Beschwerden oder Entzündungen Anwendung. Sie wirken antimikrobiell, entzündungshemmend und schmerzstillend.
Arnica montana ist allerdings schwierig anzubauen, daher werden auch aktuell zur Herstellung von Arnika-Produkten meist Wildvorkommen besammelt. Dabei ist das Sammeln von Blüten auf große Bestände beschränkt und nur mit spezieller Lizenz erlaubt. Auch privat dürfen nur Pflanzen aus gärtnerischer Kultur verwendet werden. Mittlerweile wird oft die nordamerikanische Art Arnica chamissonis angepflanzt, die eine vergleichbare Wirkung zeigt und leichter zu kultivieren ist.

 

… nicht zu verwechseln?

Arnika gehört zur Pflanzenfamilie der Korbblütler, alle Mitglieder dieser Familie haben Blüten, die in Körbchen sitzen und oft sind die Blüten gelb. Es gibt Arten, die Arnika auf den ersten Blick ähneln:

Östlicher Wiesen-Bocksbart - Tragopogon orientalis
Ringelblume - Calendula officinalis
Topinambur - Helianthus tuberosus
Sonnenauge - Heliopsis spec.
Sonnenhut - Rudbeckia hirta
Große Telekie - Telekia speciosa

Wussten Sie, dass Arnika einer der wenigen Korbblütler mit gegenständigen Blättern ist?

Arnika wird 20 - 60 cm hoch, doch am Stängel hat Arnika nur wenige Blätter, diese sind gegenständig, haben keinen Blattstiel und sind meist klein. Der Großteil der Blätter sitzt als grundständige Rosette nahe dem Boden. Sie sind ungestielt, eiförmig-lanzettlich und meist ganzrandig.

Wussten Sie, dass jedes Blütenköpfchen der Arnika aus vielen einzelnen Blüten zusammengesetzt ist?

Die Blüten von Arnika stehen in Körbchen und bilden zusammen eine 5 - 8 cm große, goldgelbe Scheinblüte. Dabei bilden 12 - 20 Zungenblüten den Rand und bis zu 100 Röhrenblüten die Mitte des Blütenköpfchens. Meist sitzen die Blütenköpfchen einzeln, manchmal zu 2 - 5 am Ende des Stängels. Der Stängel ist aufrecht, oft braunoliv überlaufen und nur im Bereich des Blütenstands verzweigt. Gegen das Licht sieht man gut, dass er dicht borstig behaart ist.

Schaut man unter die Blütenköpfchen, so zeigen sich die schmal-lanzettlichen Hüllblätter, diese sind 2-reihig angeordnet und rau behaart. Der Geruch der Blüten ist stark aromatisch. Sie blühen von Juni bis August und werden durch Insekten bestäubt.

Wussten Sie, dass die Samen der Arnika fliegen können?

In der Zeit von Juli bis Oktober bilden sich Früchte aus den bestäubten Blüten. Diese sind 6 mm lang, relativ schwer und tragen einen einreihigen, rauen Haarkranz (Pappus). Der Fruchtstand ähnelt dem des Löwenzahns, doch die kleinen Schirmchen fliegen nicht so weit. Vom Wind werden sie nur einige Meter weit getragen. Über Wasser oder im Fell von Weidetieren werden sie mit Glück weitere Strecken mitgenommen, doch das Potential alleine neue Populationen zu gründen ist heutzutage gering.

Um zu keimen brauchen die Samen Licht und längere Zeit kühle Temperaturen sowie hohe Feuchtigkeit. Daher findet man Keimlinge erst im nächsten Frühjahr und nur auf offenen Bodenstellen.

Wussten Sie, dass sich ein Arnika-Individuum aus vielen Einzelpflanzen zusammensetzen kann?

Arnika wächst gesellig, das heißt, dass meist mehrere Pflanzen dicht beieinander stehen. Neben der Fortpflanzung über Samen kann Arnika sich über Ausläufer ausbreiten. Somit könnte ein ganzer Bestand von Arnika theoretisch ein einziges Individuum sein und daher nur eine extrem geringe genetische Vielfalt aufweisen!

Über die Wurzeln steht Arnika, wie der Großteil der Blütenpflanzen, mit Pilzen in Symbiose (Mykorrhiza).