Wer macht´s?

Dr. Andreas Titze

Botanischer Garten Marburg

Erhaltungskulturen

In den Tieflagen Hessens stehen viele Arnika-Bestände kurz vor dem Erlöschen.

Um das genetische Material dieser Standorte zu sichern, werden vom Botanischen Garten Marburg Samen dieser akut gefährdeten Standorte gesammelt. Damit die genetische Diversität an den einzelnen Arnika-Standorten erfasst wird, müssen dabei pro Standort möglichst viele Pflanzen beerntet werden. Um durch diese Maßnahme die Bestände nicht zusätzlich zu gefährden, werden von den Blütenständen nicht mehr als 15 Samen entnommen.

Im Botanischen Garten in Marburg werden dann von jedem Standort, getrennt nach Spenderpflanze, Samen in der Samenbank eingelagert und Samen zur Anzucht von Jungpflanzen benutzt. Diese im Freiland angelegten Erhaltungskulturen umfassen mindestens 100 Pflanzen je Wildstandort.

Vor der Blüte (im zweiten Jahr) werden die Erhaltungskulturen durch feinmaschige Netze getrennt voneinander eingehäust und die Pflanzen bei der Blüte vor einer Fremdeinkreuzung geschützt. Die Bestäubung der Pflanzen erfolgt durch eigens dafür angezogene einheimische Hummeln.

Bei Standorten, an denen nur noch sehr wenige Pflanzen zur Samenreife gelangen, werden bei den Nachzuchten mit Hilfe der Hummeln gezielt alle möglichen Kreuzungen der Pflanzen untereinander vollzogen, so dass die genetische Bandbreite dieser sehr kleinen Bestände möglichst vollständig erhalten bleibt.

Aus den Samen der Erhaltungskulturen werden Pflanzen für populationsstützende Maßnahmen in den jeweiligen Herkunftsgebieten herangezogen.

Hierbei wird ebenso wie bei den Erhaltungskulturen selbst auf den Ausschluss gärtnerischer Selektion geachtet, und bei der Ausbringung am Wildstandort zudem auf eine gleichmäßige Durchmischung.

Vor der Ausbringung werden an den Wildstandorten Flächenpflegemaßnahmen, die für die Erhaltung von Arnica montana nach heutigem Kenntnisstand sinnvoll sind, durchgeführt. Bei diesen Maßnahmen geht es in der Regel darum, Nährstoffe durch mehrmaliges Mähen oder Beweiden zu entziehen und offene Bodenstellen zu schaffen, die die Arnika-Samen für das Keimen benötigen.

Sobald die ersten Forschungsergebnisse vorliegen, soll das Flächenmanagement entsprechend angepasst werden. Die populationsstützenden Maßnahmen werden so lange durchgeführt, bis die Bestände wieder in einen Zustand überführt sind, in dem sie sich selbst erhalten können.